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Juristische Studienmöglichkeiten in Indien

Im Folgenden sollen verschiedene Studienmöglichkeiten für einen deutschen Juristen in Indien aufgezeigt werden. Dabei werden jeweils die Vor- und Nachteile aus der Sicht eines deutschen Juristen dargestellt. Am Ende wird unter "Fazit" eine abschließende Bewertung vorgenommen.

Jurastudium in Indien
In Betracht käme zunächst ein komplettes Jurastudium in Indien. Möglich wäre dabei wohl nur der 5-jährige LL.B. Studiengang. (es gibt noch einen 3-jährigen LL.B. Studiengang, der aber wohl nicht in Betracht kommt, siehe dazu hier) Die Nachteile eines kompletten Jurastudiums liegen damit auf der Hand. Betrachtet man die lange juristische Ausbildungszeit in Deutschland, wird wohl kaum ein deutscher Jurist noch ein weiteres zusätzliches 5-jähriges Studium auf sich nehmen wollen. Unabhängig von der beruflichen Zweckmäßigkeit eines zweiten Jurastudiums in Indien, ist auch zu bedenken, dass ein 5-jähriger Auslandsaufenthalt eine lange Zeit darstellt (Stichwort "Kulturschock in Indien"). Insoweit sollte ein solcher Schritt in beruflicher und persönlicher Hinsicht gut überlegt sein. Ein komplettes juristisches Studium in Indien kommt deshalb wohl nur für diejenigen in Betracht, die dauerhaft bzw. langfristig in Indien leben möchten und mehr an einer beruflichen Karriere in Indien als in Deutschland interessiert sind. Abgesehen davon, benötigt man für ein Studium in Indien ein Studentenvisum, eine Zulassung der indischen Universität und eine Genehmigung des indischen Innenministeriums.

Sollte sich jemand für eine juristische Laufbahn in Indien entscheiden, sollten auch die Komplikationen und Schwierigkeiten in Bezug auf Arbeitserlaubnis und indischer (Rechts-) Mentalität berücksichtigt werden. Ausländischen Rechtsanwälten ist es nach derzeit geltendem indischen Recht verboten, in Indien juristisch tätig zu sein. Aus diesem Grunde gibt es in Indien auch keine Auslandsvertretungen von westlichen Großkanzleien. Zudem ist fraglich, ob sich eine juristische Tätigkeit in Indien in finanzieller Hinsicht lohnen würde.

LL.M.-Studium
Eine weitere denkbare Alternative wäre ein LL.M. Studium in Indien. Ein LL.M Studium bietet den Vorteil, dass man sich auf einem bestimmten Gebiet spezialisieren kann und nur wenige deutsche Juristen einen LL.M. aus Indien vorweisen können. Die Auswahl an LL.M. Studiengängen in Indien ist relativ groß. Man sollte sich bei Interesse direkt an der Universität nach den Voraussetzungen für die Einschreibung als Ausländer erkundigen. Ferner ist anzuraten, nach dem internationalen Ranking der Universität zu suchen, da die Qualität der Ausbildung von Universität zu Universität stark variieren kann. Ein großer Nachteil eines LL.M Studiums in Indien ist wiederum der Zeitrahmen: Ein LL.M Studium dauert stets 2 Jahre, eine kürze Studiendauer ist nicht möglich. Insofern dauert ein LL.M. in Indien ein Jahr länger, als es in anderen Ländern üblich ist. Gerade dies ist der Grund, warum indische Juristen außerhalb von Indien einen LL.M. Abschluss anstreben. Es muss daher jeder für sich selbst entscheiden und abwägen, ob sich der Zeitaufwand im Verhältnis zu dem beruflichen Nutzen tatsächlich rechnet. Zudem ist auch hier wiederum nicht zu unterschätzen, dass ein zweijähriger Aufenthalt in einem gänzlich anderen Kulturkreis eine lange Zeit darstellt, abgesehen von dem Unterschied in der Lebensqualität (Stichwort Klima, Gesundheit, Kulturschock).

Ph.D.
Ein Ph.D., d. h. einen Doktortitel von einer indischen Universität anzustreben, dürfte wohl nur für die wenigsten deutschen Juristen in Betracht kommen. Zunächst sind die formellen Einschreibungsvoraussetzungen sehr hoch. Es wird ein abgeschlossenes Studium und ein LL.M. verlangt. Da es in Indien keine Unterteilung zwischem 1. und 2. Staatsexamen gibt, wird ein "abgeschlossenes Studium" wohl erst ab dem 2. Staatsexamen vorliegen. Zudem haben manche Universitäten auch weitere restriktive Einschreibungsvoraussetzungen, wie z. B., dass man vor der Einschreibung als Doktorand bereits eine gewisse Anzahl an Publikationen vorweisen muss (so z. B. an der University of Mumbai) oder seine Arbeit in einem bestimmten Zeitrahmen fertig zu stellen hat (nicht unter zwei, aber auch nicht länger als 5 Jahre). Abgesehen von den formellen Voraussetzungen (und der Tatsache, dass die Promotion natürlich auf Englisch zu schreiben ist), dürfte ein Ph.D. Studium aber vornehmlich daran scheitern, dass es zurzeit schlicht an den entsprechenden Kontakten fehlt, einen indischen Professor als Doktorvater zu finden.

Moot Court
Theoretisch wäre ein Indienaufenthalt im Rahmen eines Moot Court Wettbewerbes eine interessante Möglichkeit, für einen gewissen Zeitraum mit indischen Studenten und Professoren in Kontakt zu treten und sich mit einem Sachverhalt aus dem indischen oder internationalen Recht auseinander zu setzen. Der Zeitrahmen würde sicherlich nicht mehr als 2-4 Wochen in Anspruch nehmen und man hätte insoweit auch eine interessante "Zusatzqualifikation" in seinem Lebenslauf vorzuweisen. Allerdings sind internationale Moot Courts noch nicht sehr verbreitet in Indien. InDe-Network ist jedenfalls keines bekannt, welches speziell auch ausländische Jurastudenten zum Wettstreit einlädt (bei gegenteiligen Hinweisen bitte hier melden).

Zertifikatskurse
Mittlerweile bieten einige Universitäten in Indien postgraduierte Zertifikatskurse an. Diese Kurse widmen sich einem bestimmten Rechtsgebiet und gehen oft über mehrere Monate. Die Kurse sind vornehmlich an bereits erwerbstätige oder noch studierende indische Juristen gerichtet und finden daher meist ausschließlich am Wochenende statt. Der Vorteil eines solchen Zertifikatsprogramms liegt zum einen in der relativ unkomplizierten Einschreibung. Eine Kopie des 1. Staatsexamens und die Entrichtung der Studiengebühren dürften in der Regel zur Teilnahme ausreichen. Zum anderen erwirbt man Kenntnisse über ein bestimmtes indisches Rechtsgebiet, welche auf einem Zertifikat bescheinigt werden. Der Nachteil eines solchen Kurses liegt wohl wiederum im zeitlichen Aspekt. Man befindet sich über mehrere Monate in Indien, studiert aber letztlich nur am Wochenende (wo dann Anwesenheitspflicht besteht). Die Tage innerhalb der Woche sind dann praktisch "verloren". Auch lassen sich die Tage während der Woche kaum für Reisen innerhalb Indiens nutzen, da 5 Tages-Reisen angesichts der langen Reisedauer innerhalb Indiens zu knapp bemessen sind. Es muss also auch hier jeder für sich selbst abwägen, ob ein einziges Zertifikat einen mehrmonatigen Aufenthalt in Indien rechtfertigen können und für den beruflichen Werdegang tatsächlich nützlich ist.

Praktikum
Weiterhin könnte man als deutscher Jurist in Betracht ziehen, ein Praktikum in Indien zu absolvieren. Da man während des Studiums ohnehin insgesamt 3 Monate an Praktikumszeit vorweisen muss, kann man diese Zeit auch in Indien ableisten. Man hat einen solchen Aufenthalt in Eigeninitiative zu organisieren. Mittlerweile existieren auch einige professionelle Dienstleister, die ein Praktikum vermitteln, was aber nicht billig ist. Man sollte auf jeden Fall frühzeitig mit der Suche nach einer Praktikumsstelle beginnen. Einige Internet-Jobsuchmaschinen für den indischen Markt sind unter Links zu finden und im Artikel „Tipps zur Jobsuche in Indien“. Wir würden dabei empfehlen, die gesamte mögliche Praktikumszeit (d. h. 3 Monate) auszuschöpfen. Zum einen lohnen sonst kaum die Flugkosten und der organisatorische Aufwand. Zum anderen bedarf es einer gewissen Zeit, bis man sich in Indien und in die alltägliche Arbeit eingewöhnt hat. Im Übrigen hat man noch darauf zu achten, dass ein ausgebildeter Jurist die Praktikumsbescheinigung ausstellen muss, da es in Deutschland sonst zu Problemen bei der Anerkennung des Praktikums geben könnte. Am Besten vergewissert man sich vor Abreise beim JPA. Einige Erfahrungsberichte von deutschen Juristen finden sich unter Links.

Referendariatsstation
Die wohl einfachste und deshalb beliebteste Art einen Studienaufenthalt in Indien zu absolvieren, ist im Rahmen des Referendariats. Man arbeitet sogleich in einem Unternehmen, Kanzlei oder in einer Organisation mit und ist damit schon frühzeitig in juristische Arbeitsabläufe eingebunden. Zudem dauert die Station in der Regel nur 3 Monate. Dies ist ein Zeitrahmen, der einen guten Einblick in die indische Rechtspraxis gewährleistet und die Möglichkeit gibt, Land und Leute etwas näher kennen zu lernen. Auf der anderen Seite tritt kein Zeitverlust ein, da der Aufenthalt im Rahmen des Referendariats abgeleistet wird. Ferner bietet die Einbindung in einem Unternehmen den Vorteil, dass man stets einen Ansprechpartner hat und anfängliche Probleme vom Arbeitgeber gelöst werden (z. B. Suche der Unterkunft). Die meisten Juristen absolvieren ihre Auslandsstation in einen der deutsch-indischen Handelskammern oder in einer der deutschen Botschaften (AHK-Angebote für Juristen finden sich hier, Angebote des auswärtigen Amtes hier). In der Regel wird man in den Außenhandelskammern mit sog. "Claims" betraut, d. h. es müssen Streitigkeiten zwischen deutschen und indischen Unternehmen geschlichtet werden. Man muss seine Stationssuche aber nicht nur auf die Außenhandelskammern beschränken. Denkbar ist auch eine Station in einer indischen Anwaltskanzlei oder in einem indischen bzw. deutschen Unternehmen. Wichtig ist dabei nur, dass man mit einem Juristen arbeitet, da es sonst Probleme bei der Anerkennung der Station geben könnte. Mittlerweile gibt es einige Erfahrungsberichte von deutschen Juristen (siehe unter Links). Im Allgemeinen wird berichtet, dass der Aufenthalt in Indien eine sehr interessante Erfahrung war. Profitieren soll man aber vornehmlich in persönlicher und weniger in juristischer Hinsicht. Nachteilig ist der Aufenthalt auch insofern, als dass man nicht an Referendariatskursen in Deutschland teilnehmen kann (z. B. Übungen für den Aktenvortrag) oder (wertvolle?) Lernzeit verloren geht. Mittlerweile ist es wohl möglich, seine Auslandsstation auch im Rahmen der Verwaltungsstation zu absolvieren. Dies bietet den Vorteil, dass nicht unmittelbar nach der Rückkehr die mündliche Prüfung ansteht. Zur Planung und Organisation des Indienaufenthaltes sollte man ca. 6 Monate einplanen (frühzeitig bewerben!).

Fazit
Ein LL.M. oder gar ein LL.B. wird nur für die wenigsten deutschen Juristen interessant sein. Die zusätzliche Ausbildungsdauer von 2 bzw. 5 Jahren kann den Einstieg in das Berufsleben erheblich nach hinten verschieben, was zu Schwierigkeiten beim Finden einer Arbeitstelle führen kann. Zudem muss abgewogen werden, ob die erworbenen Kenntnisse im indischen Recht wirklich für den eigenen Berufsweg förderlich sein können.

Die Möglichkeit eines Moot Court scheitert derzeit an den vorhandenen Angeboten, bei einem Zertifikatskurs ist das Verhältnis zwischen Zeitaufwand und Nutzen relativ gering.

Die Erlangung eines Doktortitels von einer indischen Universität ist mit sehr hohem organisatorischem Aufwand verbunden und wird wahrscheinlich an den formellen Einschreibungsvoraussetzungen und dem Finden eines indischen Doktorvaters scheitern. Ein Forschungsaufenthalt im Rahmen einer an einer deutschen Universität durchgeführten Promotion ist dagegen möglich, der allerdings mit nicht unerheblichem organisatorischem Aufwand verbunden ist.

Derzeit erscheint die Referendarstation oder ein Praktikum die beste Möglichkeit, einen Studienaufenthalt in Indien durchzuführen. Ein solcher Aufenthalt nimmt nur 3 Monate in Anspruch und ist relativ unkompliziert zu organisieren. Gleichzeitig hat man etwas außergewöhnliches im Lebenslauf zu bieten, hat mal über den Tellerrand geschaut, ein kleines Abenteuer erlebt und letztlich Erfahrungen in einem anderen Kultur- und Rechtskreis gesammelt. Da die Station bzw. das Praktikum während des Referendariats/Studium abgeleistet wird, "verliert" man keine Zeit. Der Zeitpunkt des Einstiegs in das Berufsleben wird nicht verschoben bzw. gar erschwert (man verliert allenfalls etwas an Vorbereitungszeit für das 2. Staatsexamen). Trotz all dieser Vorteile, sollte man aber den Kulturschock, die gesundheitlichen Risiken und den Unterschied an Lebensqualität nicht unterschätzen. Möchte man daher eine Station bzw. ein Praktikum in Indien absolvieren, sollte man eine Affinität bzw. Interesse an Indien mitbringen oder jedenfalls sich vorher gut informieren. Erfahrungsberichte von Praktikanten und Referendaren sind unter Links zusammengestellt.

Hinweis: Dieser Artikel ist auch veröffentlicht unter www.india-law.eu, wo sich weiterführende Informationen finden.